- 27. August 2017 -

Auf den Spuren eines Schmetterlings

[caption id="attachment_2937" align="alignnone" width="300"]Auf den Spuren eeines Schmetterlings Auf den Spuren eeines Schmetterlings[/caption]

 

Es ist Sonntag und ich genieße den schönen Spätsommertag auf meinem Terrassen-Lieblingsplatz mit Blick ins bunte Wiesengrün, damit beschäftigt, den kleinen weissen, leicht erschöpften Kasten in meiner Hand von seinem Übermaß an Datenvolumen zu befreien, als mich etwas in den Garten lockt.

Das  noch feuchte Gras unter meinen Füßen ist warm und weich. Auf einem Stein sitzend finde ich ihn, prachtvoll in seiner Gestalt und anmutig in seinem Wesen. Für mich ist es  das Jahr des Schmetterlings

Mit Kasten in der Hand bringt er mich dazu, auf einen der großen Felsen zu steigen, um ihn besser fotografieren zu können. Der Schöne erhebt sich sanft, lässt mich eine ganze Weile warten, um sich dann genüsslich auf einem Zweig des Schmetterlingsflieders niederzulassen. Er will wohl, dass ich mich in Geduld übe, während er seine Flügel in aller Seelenruhe öffnet und schließt…und der kleine Kasten nur mit Verzögerung die Darbietung seines farbenfrohen, mit leuchtenden Augen genschmückten Mantels aufzunehmen weiß.

Alsbald ist er weg, der seine Augen auf dem Rücken trägt und lockt mich auf eine Reise ins Gartenreich…

Meine  Blicke werden wacher und ich beginne, mich auf Augenhöhe derer zu begeben, die ich im Vorübergehen vielleicht gerade mal übersehen hätte.

Dicke Fliegen sitzen im hellen Sommerlicht und tasten sich über das fleischige Grün der Kirschlorbeerblätter, lotsen meine Aufmerksamkeit auf den Duft des eben erblühten, weißen Sternchentraums und ich bedauere, dass die Schöpfer der kleinen Kamera in meiner Hand  lediglich  in der Lage waren, sie auf das Einfangen von Form-,Farb-und Lautsruktur  der Dinge zu begrenzen..

Jemand sollte Duft-wiedergebende Handys erfinden, in Naturtextur. - Oder es vielleicht doch besser lassen, damit diese Art von Erlebnis dem Herz überlassen bleibt?

Also bin ich dankbar für die Möglichkeit , immerhin diese Momente  im Bild festhalten zu können.

Am Teich finde ich eine schillernde Libelle, die mich auf das warme Holz der kleinen Gartenterrasse führt Ich begebe mich in die Hocke und beobachtete kleine auffällig gekleidete Flugobjekte, die die Blüten der fliederfarbenen Wasserminze unter munterem Surren umwerben. Jeder Designer der menschlichen Modebranche hätte beim Betrachten gewiss seine helle Freude an  diesem originellen Farbgewand gehabt.

Unter dem wachen Blick der roten Libelle setze ich mich auf den Steg und lasse meine Füße ins kalte Wasser baumeln, in dem emsige Schwimmkäfer im munteren Spiel  auf und niederrudern.
Ich genieße das kühlte Nass und besonders die Wärme, die danach durch meine Glieder dringt..

Der Garten ist ein Wunderwerk. An alle möglichen Stellen führen sie mich, die kleinen Lebewesen der Insekten und Krabbelwelt.
In der 2. Generation der Rosenkinder entdecke ich schlafend einen prachtvollen grünlichen Schimmer-Käfer, in den Hibiscusblüten schwirrt und surrt es von dicken Hummelfrauen und bepelzten Bienenvölkern, die mit den dicken, weißen Staubstängeln zu einer flaumigen Einheit verschmelzen.

Ob sie wohl auch beim morgendlichen Erwachen eines warmen Sommertages überlegten, ob sie heute auf Bienen-und Hummelflug gehen oder lieber den Tag zu Hause verbringen sollten?
Ich glaube kaum, denn dann wäre ihre Chance auf ein Bad im süßen Blütenduft oder auf Abendteuer an der frischen Luft bei Freude und Tanz im Sonnenglanz vielleicht verstrichen.

Der leuchtende Himmelskörper wäre ohne sie auf seiner Tagesreise unterwegs gewesen, die wärmende Jahreszeit vielleicht  schon vorbei und der Herbst in den Winter übergegangen und sie hätten ihr Leben vielleicht schon verwirkt…

Es  würde einen Sommer ohne Früchte geben, viele der bunten Blumen  und Wiesenkräuter würden vielleicht im darauf folgenden Jahr vergeblich auf sich warten lassen, der Winter würde ohne Honig sein und die anderen Pflanzen, Tiere und Menschen würden vielleicht eines Tages zu Grunde gehen…Vielleicht…?

 

Das Einzige, was ihnen bliebe, wäre die Hoffnung auf ein  neues Leben, einen neuen sonnenreichen  Sommer und die Chance, all das Versäumte nachzuholen, um eines Tages, mit reicher Ernte, weit in das große, warme Licht hinein zu schweben…

 

©Isabelle Hassan, Diandra-Circle Concept